Über 20 Filialen, ein traditionsreicher Familienbetrieb, ein Markt im Umbruch. Alexander Brünink, Geschäftsführer der Stoffe Brünink & Hemmers GmbH aus Nordhorn, hat eine Entscheidung getroffen, die viele stationäre Händler scheuen: den vollständigen Umstieg auf E-Commerce. Im Interview spricht er über den Moment der Entscheidung, die Rolle von Daten im Tagesgeschäft und seine Vision für die kommenden Jahre.
Der Wendepunkt im Jahr 2018
Einen einzelnen Moment gab es tatsächlich, sagt Brünink, und zwar im Jahr 2018. Damals hatte das Unternehmen die Möglichkeit, alle Filialen zu verkaufen. Für ihn war das der richtige Zeitpunkt, eine bewusste Entscheidung für die Zukunft zu treffen. Das Kaufverhalten der Kunden verlagerte sich zunehmend ins Internet, während der stationäre Handel unter Druck geriet.
Anstatt an einem Geschäftsmodell festzuhalten, das immer schwieriger wurde, nutzte das Unternehmen die Chance und konzentrierte sich vollständig auf den E-Commerce. Rückblickend bezeichnet Brünink das als eine der wichtigsten unternehmerischen Entscheidungen, die getroffen wurden.
Filialen schließen, Online ausbauen
Wie ist Stoffe Hemmers bei der Transformation von über 20 Filialen zum reinen Online-Geschäft konkret vorgegangen? Das war kein Projekt, das man in wenigen Monaten abschließt, sondern ein mehrjähriger Prozess. Schritt für Schritt wurden Filialen verkauft oder geschlossen, während parallel konsequent in den Ausbau des Onlinegeschäfts investiert wurde.
Besonders wichtig war es, die internen Prozesse zu digitalisieren, eine leistungsfähige IT aufzubauen und das Sortiment kontinuierlich weiterzuentwickeln. Heute entwickelt das Unternehmen sein Shopsystem sogar mit zwei eigenen Entwicklern selbst, um schnell und flexibel auf neue Anforderungen reagieren zu können.
Datenbasierte Entscheidungen im Alltag
Welche Rolle spielen Daten und Prozesse in der Unternehmenssteuerung? Eine sehr große, so Brünink. Entscheidungen werden heute deutlich datenbasierter getroffen als noch vor einigen Jahren. Täglich analysiert das Unternehmen Kennzahlen aus Marketing, Einkauf, Lager und Kundenverhalten, denn Zahlen zeigen oft früh, in welche Richtung sich ein Unternehmen entwickelt.
Gleichzeitig dürfe man sich aber nicht ausschließlich auf Daten verlassen. Unternehmertum bedeute auch, Entwicklungen früh zu erkennen und Entscheidungen zu treffen, bevor sie in den Zahlen sichtbar werden.
Rat für zögernde Händler
Was würde Brünink anderen Händlern raten, die vor einer ähnlichen Transformation stehen? Nicht zu lange warten. Viele Unternehmen halten aus Gewohnheit an bestehenden Strukturen fest, dabei verändert sich der Markt ständig. Sein Rat ist, sich regelmäßig ehrlich zu hinterfragen und Veränderungen nicht als Risiko, sondern als Chance zu sehen.
Wer Veränderungen früh angeht, hat deutlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten als jemand, der erst reagiert, wenn der Druck zu groß geworden ist.
Die Vision für die Zukunft
Wo steht Stoffe Hemmers in fünf Jahren? Brünink wünscht sich, dass das Unternehmen seine Position als einer der führenden europäischen Onlineshops für Stoffe und Nähzubehör weiter ausbaut. Dabei gehe es nicht nur um Wachstum, sondern vor allem um nachhaltiges und profitables Wachstum.
Aktuell investiert das Unternehmen in eine komplett neue Shopplattform, in Automatisierung und in Künstliche Intelligenz. Ziel sei es, den Kunden das bestmögliche Einkaufserlebnis zu bieten und gleichzeitig die eigenen Prozesse immer effizienter zu gestalten.









