Claude personalisieren, das ist für Jörg Maire, Geschäftsführer von Digitale Realität, einer der wirkungsvollsten Hebel, wenn es um den täglichen Einsatz von KI im Mittelstand geht. Er begleitet mittelständische Unternehmen bei der Einführung von KI und Automatisierung und stößt dabei immer wieder auf dasselbe Problem: Jeder neue Chat mit Claude beginnt bei null, die Texte klingen neutral statt nach dem eigenen Unternehmen.
Warum klingt KI so neutral
Ein KI-Modell wie Claude kennt zu Beginn eines Gesprächs weder die Zielgruppe noch den Sprachstil noch die Werte eines Unternehmens. Ohne diesen Kontext greift es auf einen allgemeinen, möglichst neutralen Schreibstil zurück.
„Die meisten Unternehmer erklären Claude in jedem neuen Chat wieder von vorne, wer sie sind und wie sie sprechen. Das kostet Zeit und das Ergebnis klingt trotzdem nach Wikipedia, nicht nach dem eigenen Unternehmen“, sagt Jörg Maire, Geschäftsführer von Digitale Realität.
Claude personalisieren als Lösung
Claude bietet in den Kontoeinstellungen die Möglichkeit, dauerhafte persönliche Anweisungen zu hinterlegen (siehe die Datenschutzhinweise von Anthropic). Diese Anweisungen gelten automatisch für jeden neuen Chat, ohne dass sie erneut eingegeben werden müssen. Wer Claude auf diese Weise personalisiert und den eigenen Kommunikationsstil, typische Formulierungen und No-Go-Wörter hinterlegt, bekommt ab sofort Texte, die spürbar näher am eigenen Ton liegen.
„Das ist keine Spielerei, sondern ein einmaliges Setup mit Dauerwirkung. Einmal eingerichtet, greift jede künftige Konversation automatisch darauf zurück“, erklärt Maire.
Interview statt Fragebogen nutzen
Statt selbst eine Liste mit Vorlieben zu formulieren, empfiehlt Maire, Claude die Fragen stellen zu lassen. Ein einfacher Prompt genügt: Claude bitten, den Nutzer mit gezielten Fragen zu Zielgruppe, Formulierungen, Direktheit und Umgang mit Kritik zu interviewen, eine Frage nach der anderen. Am Ende fasst Claude die Antworten zu einer kompakten Stil-Anweisung zusammen.
„Der Umweg über ein Interview liefert fast immer bessere Ergebnisse, als sich selbst hinzusetzen und das eigene Unternehmen zu beschreiben. Man antwortet einfach, Claude strukturiert“, sagt Maire aus eigener Erfahrung mit Kunden.
Gesprochene Antworten wirken echter
Getippte Antworten neigen dazu, formeller und glatter auszufallen, ähnlich wie in einem Bewerbungsschreiben. Diktierte Antworten behalten dagegen den natürlichen Sprachrhythmus, inklusive typischer Wendungen und Betonungen.
„Wer die Antworten diktiert statt tippt, bekommt am Ende eine Stil-Anweisung, die wirklich nach ihm klingt. Für Führungskräfte mit vollem Kalender ist das zusätzlich der schnellere Weg“, so Maire.
Aufwand und Nutzen im Verhältnis
Der komplette Prozess, Claude zu personalisieren, lässt sich in etwa 15 Minuten durchführen und muss danach nicht wiederholt werden. Für Unternehmen, die KI regelmäßig für Kommunikation nutzen, zahlt sich diese einmalige Investition schnell aus, weil Nacharbeit und Umformulieren spürbar seltener werden.
„15 Minuten gegen monatelanges Nachbessern von KI-Texten, diese Rechnung geht für fast jedes Unternehmen auf“, fasst Maire zusammen.
Datenschutz und DSGVO beachten
Die Stil-Anweisung selbst enthält meist nur Angaben zu Sprache und Kommunikationsstil und ist datenschutzrechtlich unproblematisch. Sobald jedoch im Interview auch Angaben zu Kunden, Mitarbeitenden oder internen Geschäftsprozessen gemacht werden, sollten Geschäftsführer und Führungskräfte genau prüfen, welche Informationen tatsächlich notwendig sind. Personenbezogene Daten Dritter gehören grundsätzlich nicht in eine allgemeine Stil-Anweisung.
„Ich rate meinen Kunden immer, bei der Personalisierung sparsam mit sensiblen Daten umzugehen und die Auftragsverarbeitungsvereinbarung mit Anthropic sowie die eigenen internen Richtlinien zur KI-Nutzung im Blick zu behalten“, betont Maire.
Fazit: Claude personalisieren lohnt sich
KI-Tools werden erst dann wirklich nützlich, wenn sie den eigenen Ton treffen. Ein einmaliges, gut vorbereitetes Setup der persönlichen Anweisungen in Claude sorgt dafür, dass Texte künftig weniger nachbearbeitet werden müssen und schneller einsatzbereit sind.
„Gerade im Mittelstand, wo Zeit für Feintuning oft fehlt, ist das ein einfacher Hebel mit spürbarer Wirkung. Wer Claude personalisiert, hat es nicht nur als Werkzeug, sondern als Verlängerung der eigenen Stimme“, so Jörg Maire abschließend.









