Erholung für Unternehmer im Urlaub hängt aus Sicht von Elke Holzknecht selten von der Ausstattung der Unterkunft ab, sondern davon, ob es gelingt, Verantwortung für ein paar Tage bewusst abzugeben. Elke Holzknecht betreibt Gastgeberschaft im Ötztal und empfängt dort regelmäßig Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Führungskräfte, die eigentlich abschalten wollen und es doch nicht schaffen. Im schriftlichen Interview mit regionalupdate-Herausgeber Jörg Maire erklärt sie, woran sie bereits kurz nach der Ankunft erkennt, dass ein Gast gedanklich noch im Unternehmen ist, warum viele Menschen zwar den Ort, aber nicht den Modus wechseln, und welche einzelne Gewohnheit Geschäftsführer vor dem nächsten Urlaub am dringendsten ändern sollten. Ihre Beobachtungen richten sich nicht an Urlaubsplaner, sondern an alle, die unternehmerische Leistungsfähigkeit langfristig erhalten wollen, ohne sich dabei selbst auszubrennen.
Zur Person: Elke Holzknecht
Elke Holzknecht ist Gastgeberin im Ötztal und empfängt dort regelmäßig Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte, die während ihres Aufenthalts bewusst zur Ruhe kommen möchten. Aus dieser Gastgeberpraxis heraus hat sie einen geschulten Blick dafür entwickelt, woran sich erkennen lässt, ob jemand tatsächlich abschaltet oder nur den Ort wechselt, während der gedankliche Arbeitsmodus weiterläuft. Ihr Ansatz besteht darin, Gästen möglichst viel Organisation und Entscheidungslast abzunehmen, damit echte Erholung überhaupt erst entstehen kann. Diese Perspektive stammt ausdrücklich aus der täglichen Gastgeberpraxis, nicht aus theoretischem Erholungswissen, was ihren Antworten eine spürbar konkrete, erfahrungsbasierte Note gibt.
Woran Elke Holzknecht erkennt, dass ein Gast gedanklich noch im Unternehmen ist
Du betreust viele Unternehmer und Führungskräfte als Gäste. Woran erkennst du bereits nach kurzer Zeit, dass jemand körperlich anwesend ist, gedanklich aber noch im Unternehmen arbeitet?
Oft merkt Elke Holzknecht das bereits beim Ankommen. Das Handy sei ständig griffbereit, zwischendurch würden noch Mails beantwortet oder Telefonate geführt, gedanklich sei man eigentlich noch beim nächsten Termin oder bei einer Entscheidung im Unternehmen. Manche Gäste möchten zudem den Urlaub sofort komplett durchorganisieren, was am nächsten Tag ansteht, wo reserviert werden muss, was auf keinen Fall verpasst werden darf. Genau an dieser Stelle setzt sie als Gastgeberin an und versucht, ihren Gästen möglichst viel Organisation abzunehmen, denn Urlaub sollte nicht das nächste Projekt auf der To-do-Liste sein.
Diese Beobachtung deckt sich mit einem Muster, das auch außerhalb der Gastgeberpraxis bekannt ist: Der Wunsch nach vollständiger Kontrolle über jeden Urlaubstag ist häufig weniger ein Zeichen von Reiselust als von unterschwelligem Kontrollverlust im Arbeitsalltag, der sich in den Urlaub hinein fortsetzt. Wer im Beruf gewohnt ist, jede Entscheidung selbst zu treffen, überträgt dieses Muster oft unbewusst auf die Urlaubsplanung, anstatt es als Gelegenheit zu nutzen, genau diese Kontrolle für eine begrenzte Zeit bewusst abzugeben.
Warum viele Menschen aus dem Urlaub zurückkommen, ohne sich erholt zu fühlen
Viele Menschen kommen aus dem Urlaub zurück und fühlen sich trotzdem nicht wirklich erholt. Welche Ursachen beobachtest du dabei immer wieder?
Viele Menschen wechseln nach Einschätzung von Elke Holzknecht zwar den Ort, aber nicht den Modus. Wenn Arbeit, ständige Erreichbarkeit, Termine und der Anspruch, auch im Urlaub möglichst viel erleben zu müssen, gedanklich mitreisen, sitze der Stress praktisch mit im Auto. Manchmal werde selbst die schönste Urlaubszeit komplett durchgetaktet, dann entstehe wieder eine To-do-Liste, nur diesmal mit Ausflügen, Restaurants und Sehenswürdigkeiten. Für sie beginne Erholung deshalb nicht erst am Urlaubsort, sondern mit der Entscheidung, Verantwortung auch einmal abzugeben und nicht jede Minute planen oder kontrollieren zu müssen.
Diese Einschätzung stellt eine verbreitete Annahme infrage, wonach Erholung in erster Linie eine Frage des richtigen Reiseziels oder der richtigen Unterkunft sei. Wenn der eigentliche Auslöser für fehlende Erholung im Kontrollbedürfnis selbst liegt, hilft auch der perfekteste äußere Rahmen wenig, solange dieses Bedürfnis nicht bewusst adressiert wird. Für Unternehmer bedeutet das, dass die Vorbereitung auf echte Erholung bereits vor der Abreise beginnen muss, nicht erst am Urlaubsort.
Erholung für Unternehmer im Urlaub: echte Entlastung statt perfekter Ausstattung
Aus deiner Erfahrung: Welche Rolle spielt echte Entlastung im Vergleich zu Luxus, Ausstattung oder einem perfekten Rahmen?
Eine schöne Unterkunft und eine gute Ausstattung seien natürlich wichtig, so Holzknecht, wirklicher Luxus sei für sie heute jedoch etwas anderes: Zeit, Ruhe und ein freier Kopf. Wenn sie einem Gast Entscheidungen und Organisation abnehmen könne, entstehe Raum zum Abschalten. Das könne ein reservierter Restauranttisch sein, etwas zu essen nach einer langen Anreise, ein Ausflugstipp, eine vorab organisierte Aktivität oder einfach die Gewissheit, dass jemand da sei, den man fragen könne. Oft seien es gerade diese kleinen Dinge, die dafür sorgten, dass ein Mensch nicht mehr organisieren müsse, sondern einfach genießen dürfe.
Für Unternehmer, die Erholung bislang vor allem über die Wahl des Reiseziels oder den Ausstattungsstandard der Unterkunft definiert haben, liefert diese Einschätzung einen praktischen Perspektivwechsel: Nicht die Frage, wie viel eine Unterkunft bietet, entscheidet über die Erholungswirkung, sondern wie viele eigene Entscheidungen während des Aufenthalts tatsächlich wegfallen. Diese Verschiebung lässt sich auch bewusst in der eigenen Urlaubsplanung berücksichtigen, etwa indem gezielt Angebote gewählt werden, die Organisation abnehmen, statt zusätzliche Auswahlmöglichkeiten zu schaffen.
Eine Begegnung, die zeigt, wie wichtig bewusstes Abschalten ist
Gibt es eine Begegnung mit einem Gast, die dir besonders gezeigt hat, wie wichtig bewusstes Abschalten für unternehmerischen Erfolg ist?
Eine Begegnung ist Elke Holzknecht besonders in Erinnerung geblieben. Ein Unternehmer war mit seiner Familie nur für eine Nacht bei ihr, kam relativ spät an und musste am nächsten Morgen bereits früh weiterreisen. Das Abendessen hatte er vorbestellt, sodass sie für die Familie gekocht hatte und bei ihrer Ankunft bereits alles vorbereitet war. Vor Kurzem seien sie sich zufällig in einem Zoom-Call wieder begegnet, und er habe tatsächlich noch immer von diesem kurzen Aufenthalt geschwärmt. Besonders in Erinnerung geblieben sei ihm das Gefühl, einfach ankommen zu können und sich um nichts Gedanken machen zu müssen.
Diese Begegnung zeigt aus ihrer Sicht sehr deutlich, dass Erholung nicht unbedingt eine Frage der Urlaubsdauer ist. Manchmal beginne sie genau in dem Moment, in dem jemand Verantwortung abgeben dürfe und merke, dass gerade nichts organisiert, entschieden oder geplant werden müsse, sondern einfach angekommen werden dürfe. Für die Praxis bedeutet das, dass selbst kurze Auszeiten spürbare Erholungswirkung entfalten können, wenn sie konsequent von Organisationsaufwand befreit sind, während lange Urlaube ohne diese Entlastung ihre Wirkung verfehlen können.
Gewohnheiten, die Unternehmer vor dem Urlaub ändern sollten
Welche Gewohnheiten sollten Unternehmer vor dem Urlaub ändern, damit sie wirklich neue Energie tanken können?
Das Abschalten sollte nach Ansicht von Elke Holzknecht bereits vor der Abreise beginnen. Statt bis zur letzten Minute zu versuchen, alles zu erledigen und dann mit zahlreichen offenen Gedanken ins Auto oder Flugzeug zu steigen, dürfe warten, was wirklich warten kann. Verantwortung dürfe delegiert werden, und man müsse auch akzeptieren, dass nicht alles perfekt abgeschlossen sein wird. Auch im Urlaub müsse nicht jeder Tag komplett geplant sein, freie Zeit dürfe tatsächlich frei bleiben. Nicht jeder schöne Ort müsse gesehen und nicht jedes Erlebnis mitgenommen werden, manchmal entstehe der schönste Urlaubstag genau dann, wenn nichts geplant war. Und vor allem dürfe das Handy auch einmal liegen bleiben, denn wer ständig erreichbar bleibe, nehme sein Unternehmen gedanklich mit in den Urlaub.
| Verbreitete Gewohnheit | Empfehlung von Elke Holzknecht |
|---|---|
| Bis zur letzten Minute vor Abreise arbeiten | Bewusst früher abschließen, offene Punkte delegieren |
| Jeden Urlaubstag vollständig durchplanen | Freie Zeit bewusst frei lassen |
| Ständige Erreichbarkeit über das Handy | Erreichbarkeit gezielt reduzieren |
| Perfekten Abschluss aller Aufgaben erwarten | Akzeptieren, dass nicht alles fertig sein muss |
Der wichtigste Rat für den nächsten Unternehmerurlaub
Wenn jeder Geschäftsführer nach diesem Interview nur eine Sache bei seinem nächsten Urlaub anders machen würde, welche Empfehlung würdest du ihm unbedingt mitgeben?
Ihr wichtigster Rat lautet, nicht nur Urlaub vom Arbeitsplatz zu nehmen, sondern auch dem Kopf frei zu geben. Man solle sich darauf einlassen, nicht alles selbst organisieren und kontrollieren zu müssen, Verantwortung bewusst abgeben und sich erlauben, für eine gewisse Zeit einfach Mensch und nicht Geschäftsführer oder Unternehmer zu sein. Denn echte Erholung bedeute für sie nicht, möglichst viel erlebt zu haben, sie beginne dort, wo man nicht mehr ständig darüber nachdenke, was als Nächstes erledigt werden müsse.
„Manchmal ist der größte Luxus nicht, mehr zu bekommen, sondern für einen Moment nichts organisieren zu müssen.“ (Elke Holzknecht)
Dieser Gedanke fasst ihre gesamte Argumentation zusammen: Erholung für Unternehmer im Urlaub entsteht nicht durch zusätzliche Angebote oder mehr Auswahlmöglichkeiten, sondern durch den bewussten Verzicht auf Organisation und Kontrolle. Für Geschäftsführer, die diesen Gedanken ernst nehmen wollen, bedeutet das konkret, vor dem nächsten Urlaub gezielt zu prüfen, welche Entscheidungen sich vorab delegieren oder ganz vermeiden lassen, statt den Urlaub wie ein weiteres Projekt zu managen.
Warum Erholung für Unternehmer im Urlaub ein Wettbewerbsfaktor ist
Was auf den ersten Blick wie ein persönliches Wohlfühlthema wirkt, hat aus unternehmerischer Sicht durchaus strategische Relevanz. Wer nach dem Urlaub weiterhin erschöpft ins Tagesgeschäft zurückkehrt, trifft Entscheidungen häufig unter höherer kognitiver Belastung, reagiert gereizter auf Rückschläge und verliert schneller den Überblick über Prioritäten. Diese Effekte lassen sich zwar selten sauber in einer Kennzahl abbilden, wirken sich aber mittelbar auf Führungsqualität, Entscheidungsgeschwindigkeit und letztlich auf das gesamte Unternehmen aus.
Gerade in kleineren und mittelständischen Unternehmen, in denen die Geschäftsführung häufig zentrale Entscheidungen persönlich trifft, wirkt sich mangelnde Erholung besonders direkt aus, da es kaum Puffer durch zusätzliche Führungsebenen gibt. Erholung für Unternehmer im Urlaub ist damit weniger eine private Angelegenheit als ein Faktor, der die Leistungsfähigkeit des gesamten Betriebs mitbestimmt, auch wenn dieser Zusammenhang in der betrieblichen Praxis selten offen thematisiert wird.
FAQ
Woran erkennt Elke Holzknecht, dass ein Gast gedanklich noch im Unternehmen ist?
Am ständig griffbereiten Handy, an zwischendurch beantworteten Mails oder Telefonaten sowie am Wunsch, den Urlaub sofort bis ins Detail durchzuplanen.
Warum fühlen sich viele Menschen nach dem Urlaub trotzdem nicht erholt?
Weil sie zwar den Ort, aber nicht den gedanklichen Arbeitsmodus wechseln und der Urlaub durch ständige Erreichbarkeit und durchgetaktete Tage zu einem weiteren Projekt wird.
Was ist laut Elke Holzknecht wichtiger für Erholung als Luxus oder Ausstattung?
Echte Entlastung durch weniger eigene Entscheidungen und Organisation, etwa durch vorbereitete Abläufe, die dem Gast Raum zum Abschalten geben.
Muss ein Urlaub lang sein, um wirklich zu erholen?
Nicht zwangsläufig, entscheidend ist laut Holzknecht, dass auch ein kurzer Aufenthalt konsequent von Organisationsaufwand befreit ist.
Welche Gewohnheit sollten Unternehmer vor dem Urlaub zuerst ändern?
Das Abschalten bereits vor der Abreise beginnen, offene Aufgaben delegieren und die eigene Erreichbarkeit während des Urlaubs bewusst reduzieren.
Was ist der wichtigste Rat von Elke Holzknecht für den nächsten Unternehmerurlaub?
Nicht nur Urlaub vom Arbeitsplatz zu nehmen, sondern bewusst auch dem Kopf freizugeben und Verantwortung für eine gewisse Zeit abzugeben.
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