Schimmelspürhunde im Einsatz: Beate Ristau über verdeckten Schimmel

Wenn klassische Messgeräte an ihre Grenzen stoßen, kommt bei Beate Ristau ein ganz anderes Werkzeug zum Einsatz: die feine Nase ihrer Schimmelspürhunde Enza und Feliz. Als geprüfte und anerkannte Sachverständige für Schimmelpilzschäden kombiniert sie ihre sachverständige Erfahrung mit dem außergewöhnlichen Geruchssinn ihrer Schimmelspürhunde. So können unnötige Bauteilöffnungen vermieden und Untersuchungen sowie Sanierungsmaßnahmen gezielt geplant werden. Im Interview erzählt sie, wie diese Ausbildung funktioniert, wo klassische Methoden scheitern und warum ein einzelner Einsatz manchmal einen jahrelang unentdeckten Schaden aufdeckt.

Gezielte Auswahl, konsequentes Training

Enza und Feliz sind ja keine gewöhnlichen Spürhunde. Wie hast du die beiden für die Arbeit als Schimmelspürhunde ausgebildet, und was macht diese Ausbildung so besonders?

Enza und Feliz habe ich bereits als Welpen ganz bewusst nach ihren Veranlagungen ausgewählt. Mir war wichtig, dass sie aus Arbeitslinien stammen, in denen Nasenleistung, Konzentration, Arbeitswille und Belastbarkeit über Generationen gefördert wurden. Enzas Mutter nahm zweimal an der Weltmeisterschaft der Trümmersuchhunde teil, der Vater von Feliz ist als Sprengstoffspürhund bei der Polizei Hessen im Einsatz.

Meinen ersten Schimmelspürhund, Pacco, habe ich im Ausbildungszentrum Hambrücken ausgebildet. Das dort erworbene Wissen und die praktischen Erfahrungen bildeten die Grundlage dafür, dass ich Enza und später auch Feliz eigenständig zu Schimmelspürhunden ausgebildet habe. Für mich endet die Ausbildung jedoch nie. Regelmäßiges Training gehört genauso zu unserer Arbeit wie die Einsätze beim Kunden. Dafür bestelle ich in regelmäßigen Abständen Übungsproben bei einem spezialisierten Umweltlabor, beispielsweise von Schimmelpilzen, wie sie typischerweise nach Wasserschäden vorkommen. So trainieren wir unter realitätsnahen Bedingungen und überprüfen die Anzeigeleistung der Hunde kontinuierlich.

Die Ausbildung erfolgt Schritt für Schritt. Zunächst lernen die Hunde den Zielgeruch sicher kennen und mit einer Belohnung zu verknüpfen. Anschließend werden die Übungen anspruchsvoller, die Geruchsquellen werden an unterschiedlichsten Orten und in verschiedenen Materialien versteckt, sodass die Hunde lernen, den Zielgeruch auch unter schwierigen Bedingungen sicher zu finden und durch eine passive Anzeige zu markieren.

Das Besondere an der Ausbildung eines Schimmelspürhundes ist, dass die Hunde während ihrer Arbeit ständig mit Gerüchen konfrontiert sind, die durch mikrobielle Prozesse entstehen. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass Schimmelpilzsporen sowohl in der Außenluft als auch in der Innenraumluft natürlicherweise vorkommen. Die Herausforderung besteht deshalb darin, den Hund so auszubilden, dass er aus einer Vielzahl von Hintergrundgerüchen den Bereich mit der höchsten Geruchskonzentration sicher lokalisiert und passiv anzeigt.

Für meine Hunde ist diese Arbeit kein Zwang, sondern ein Spiel, das ihnen großen Spaß macht. Jede erfolgreiche Anzeige wird sofort mit einem Klick des Clickers bestätigt und anschließend mit einem Leckerli belohnt, das sie ausschließlich bei ihrer Arbeit als Schimmelspürhunde bekommen. Nach jedem Einsatz gehört ihnen meine ungeteilte Aufmerksamkeit, dann spielen wir gemeinsam mit ihrem Lieblingsspielzeug. Genau diese positive Verknüpfung sorgt dafür, dass die Hunde mit großer Motivation und Begeisterung suchen.

Für mich ist dabei nicht nur die eigentliche Anzeige entscheidend, sondern das gesamte Suchverhalten meiner Hunde. Mit dem Kunden spreche ich während eines Einsatzes möglichst nicht, weil ich keine noch so kleine Veränderung ihres Verhaltens verpassen möchte. Ich beobachte ihre Körpersprache, ihr Ohrenspiel, ihre Mimik und vor allem ihre Augen. Enza sucht während der Suche immer wieder meinen Blickkontakt, das ist für mich ein wichtiger Teil unserer Zusammenarbeit.

Der Kunde erlebt davon meist nur die bis zu 20 Minuten, in denen die Hunde ihre Suche durchführen. Hinter jeder Anzeige stehen jedoch unzählige Trainingsstunden, eine konsequente Ausbildung und kontinuierliches Training. Die Sucharbeit vor Ort ist nur ein kleiner Teil dessen, was unsere Arbeit ausmacht – die Ausbildung und das regelmäßige Training begleiten uns ein Hundeleben lang. Vertrauen entsteht nicht von heute auf morgen und eine zuverlässige Anzeige ist kein Zufall, sie ist das Ergebnis von jahrelangem konsequentem Training, gegenseitigem Vertrauen und einer engen Bindung zwischen Hund und Hundeführerin.

Wo Messgeräte an Grenzen stoßen

Viele denken bei Schimmelsuche zuerst an Feuchtemessgeräte oder Bauteilöffnungen. Wo genau stoßen diese klassischen Methoden an ihre Grenzen, und wie setzen deine Hunde dort an?

Viele Menschen denken, dass sich Schimmel allein mit Feuchtemessgeräten oder einer Wärmebildkamera eindeutig nachweisen lässt. Tatsächlich sind diese Untersuchungsverfahren für meine Arbeit unverzichtbar, man muss jedoch wissen, dass jedes Messverfahren nur einen bestimmten Parameter erfasst. Ein Feuchtemessgerät misst Feuchtigkeit, nicht Schimmel. Eine Wärmebildkamera zeigt Temperaturunterschiede, die zwar Hinweise liefern können, einen Schimmelbefall aber nicht nachweisen. Gerade bei verdeckten oder bereits abgetrockneten Schäden können diese Verfahren deshalb an ihre Grenzen stoßen.

Deshalb beginne ich meine Untersuchung möglichst unvoreingenommen und lasse zunächst meine Schimmelspürhunde arbeiten. Sie kennen weder die Vorgeschichte des Schadens noch mögliche Verdachtsbereiche, sie folgen ausschließlich ihrer Nase und zeigen mir Bereiche an, in denen mikrobiologische Prozesse stattfinden könnten. Erst anschließend überprüfe ich diese Bereiche mit meinen Messgeräten und entscheide als Sachverständige, welche weiteren Untersuchungen erforderlich sind, etwa orientierende Feuchtemessungen, Thermografie, der Einsatz einer UV-Forensiklampe oder Laboruntersuchungen.

Ein besonderer Mehrwert zeigt sich immer dann, wenn Bauteile geöffnet oder Materialproben entnommen werden müssen. Durch die gezielten Anzeigen meiner Schimmelspürhunde kann ich den zu untersuchenden Bereich häufig deutlich genauer eingrenzen. Das reduziert unnötige Eingriffe in die Bausubstanz, spart Zeit und kann die Kosten der Ursachenfindung sowie der anschließenden Sanierung deutlich reduzieren. Die Hunde ersetzen dabei weder die Messtechnik noch meine sachverständige Beurteilung, genauso wenig kann die Messtechnik die Hunde ersetzen. Erst die Kombination aus Schimmelspürhund, sachverständiger Erfahrung, technischen Untersuchungsverfahren und wenn erforderlich Laboranalysen ermöglicht eine möglichst präzise und fundierte Bewertung.

Ein Einsatz aus der Praxis

Kannst du an einem konkreten Fall aus deiner Praxis beschreiben, wie ein Einsatz mit Enza oder Feliz abläuft, von der ersten Begehung bis zum Ergebnis?

Ein Kunde litt bereits seit über einem Jahr unter gesundheitlichen Beschwerden, zahlreiche Behandlungen hatten keine Besserung gebracht. Sein Heilpraktiker vermutete schließlich einen verdeckten Schimmelpilzschaden und empfahl ihm, sich an mich zu wenden. Bereits mit der Auftragsannahme beginnt meine Arbeit, jeder Kunde erhält eine Einverständniserklärung sowie eine Vorabinformation zur Vorbereitung des Termins. Die Räume sollten aufgeräumt sein, Haustiere dürfen sich während der Untersuchung nicht in den betroffenen Bereichen aufhalten und Luftreiniger oder Luftentfeuchter sollten mindestens zwölf Stunden vorher ausgeschaltet werden.

Am Begutachtungstag führe ich zunächst ein ausführliches Kundengespräch und verschaffe mir anschließend von außen einen Gesamteindruck des Gebäudes. Ich prüfe die Bausubstanz, achte auf mögliche Feuchteeintritte und dokumentiere alle Auffälligkeiten fotografisch. Erst danach beginnt die Untersuchung im Gebäude. Enza arbeitet grundsätzlich zuerst, bevor sie startet, muss sie ruhig vor mir sitzen. Erst dann lege ich ihr das Arbeitshalstuch an, für sie das Signal, dass jetzt gearbeitet wird. Sie beginnt ihre Suche erst, wenn sie meinen Blick sucht, in die Augen schaut und ich ihr mit dem Kommando Check die Freigabe erteile.

Zeigt Enza eine Stelle an, bestätige ich diese sofort mit dem Clicker und einem Leckerli, anschließend übernimmt Feliz die Nachsuche. Bestätigt auch sie dieselben Bereiche, werden die Anzeigen dokumentiert. Zum Abschluss erhalten beide Hunde vor Ort ihre besondere Belohnung, Lachscreme. Danach folgen orientierende Messungen, Bauteilöffnungen nehme ich nur ungern direkt beim ersten Termin vor. Dann beginnt für mich das eigentliche Detektivspiel, ich werte alle Fotos, Messungen und die Anzeigen meiner Hunde aus und prüfe, ob alles ein schlüssiges Gesamtbild ergibt.

In diesem Fall vereinbarte ich einen zweiten Termin. Beide Hunde bestätigten erneut dieselben Bereiche. Nach der gezielten Bauteilöffnung war zunächst nichts Auffälliges zu erkennen, deshalb entnahm ich an einer Anzeigestelle eine Tapeten- und an der anderen Stelle eine Putzprobe und ließ sie in einem spezialisiertem Umweltlabor untersuchen. Das Ergebnis bestätigte einen verdeckten mikrobiellen Schaden mit einer hohen Konzentration. Ich empfahl dem Kunden daraufhin einen auf Schimmelpilzschäden spezialisierten Sanierungsfachbetrieb aus meinem Netzwerk. So konnten die tatsächlichen Ursachen, eine zu kalte Außenwand und ein Altschaden, gezielt beseitigt werden. Nach der fachgerechten Sanierung meldete sich der Kunde erneut bei mir, dass es ihm wesentlich besser geht.

Drei Methoden, ein Ergebnis

Du betonst, dass der Hundeeinsatz immer Teil einer fachlichen Gesamtbewertung ist. Wie sieht diese Kombination aus Spürhund, Messtechnik und gegebenenfalls Laboranalyse konkret aus?

Jede Untersuchungsmethode hat ihre eigene Aufgabe. Die Schimmelspürhunde zeigen mir, wo sich aufgrund ihres außergewöhnlichen Geruchssinns ein verdeckter Schimmelpilzschaden befinden könnte. Anschließend überprüfe ich diese Bereiche mit meiner Messtechnik und bewerte die baulichen Gegebenheiten sowie mögliche Ursachen des Feuchteeintrags. Ist ein mikrobiologischer Nachweis erforderlich, entnehme ich gezielt Material- oder Oberflächenproben und lasse diese in einem spezialisierten Labor untersuchen. Die Laboranalyse liefert belastbare Ergebnisse über Art und Umfang der mikrobiellen Belastung, auf dieser Grundlage kann ich die Situation fachlich bewerten und eine Sanierungsempfehlung nach den Empfehlungen des Umweltbundesamtes aussprechen.

Erst das Zusammenspiel aus Schimmelspürhund, Messtechnik, Laboranalyse und meiner sachverständigen Bewertung führt zu einem belastbaren Gesamtbild. Genau diese Kombination ermöglicht es, die Ursache eines Schadens nachvollziehbar einzugrenzen und fundierte Entscheidungen für das weitere Vorgehen zu treffen.

Unterschätzte Gefahr für Kinder

Welche gesundheitlichen Risiken durch Schimmel werden deiner Erfahrung nach am meisten unterschätzt, gerade von Familien mit Kindern oder empfindlichen Personen?

Aus meiner Erfahrung wird am meisten unterschätzt, dass Schimmel weit mehr als nur ein optisches Problem sein kann. Viele Menschen denken zunächst, ein bisschen Schimmelspray und das Thema ist erledigt. Dabei kann Schimmel die Atemwege reizen, Allergien auslösen oder verstärken und bestehende Asthmabeschwerden verschlimmern. Gerade kleine Kinder sind besonders empfindlich, weil sich ihre Lunge und ihr Immunsystem noch in der Entwicklung befinden.

Viele meiner Kunden melden sich nicht wegen eines kleinen Flecks an der Wand, sondern weil sie oder ihre Kinder seit längerer Zeit gesundheitliche Beschwerden haben und die Ursache nicht finden. Bei jeder Begutachtung schaue ich besonders genau in Schlaf- und Kinderzimmer, dort verbringen wir viele Stunden und gerade diese Räume sollten möglichst frei von Schimmelpilzbelastungen sein.

Der Fall, der alles veränderte

Was war der Moment, in dem du gemerkt hast, wie viel unnötige Bauteilöffnungen und damit verbundene Kosten durch den Einsatz deiner Hunde vermieden werden können?

Diesen Einsatz werde ich nie vergessen. Es war einer meiner ersten größeren Aufträge mit meinem ersten Schimmelspürhund Pacco. Ein großes Architekturbüro beauftragte mich nach einem Wasserschaden in einem Kindergarten. Bereits vor meinem Einsatz waren verschiedene Sachverständige und Fachfirmen beteiligt, das Gebäude war vollständig entkernt worden, es hatten umfangreiche Feinreinigungen stattgefunden und mehrfach wurden Luftkeimmessungen durchgeführt. Doch auch nach zwei Feinreinigungen ergaben die Luftkeimmessungen weiterhin zu hohe Werte. Da für Kindergärten besonders strenge hygienische Anforderungen gelten, durfte die Einrichtung nicht wieder eröffnet werden, niemand konnte die Ursache finden.

Pacco zeigte schließlich eine ganz bestimmte Stelle auf dem freigelegten Estrichboden an. Dort war äußerlich nichts Auffälliges zu erkennen, dennoch wurde genau an dieser Stelle geöffnet. Unter dem Estrich und der Dämmschicht verlief ein Wasserrohr mit einer bis dahin unentdeckten Leckage, ein älterer Wasserschaden, der eigentlich nur zufällig im Rahmen der Untersuchungen des aktuellen Wasserschadens überhaupt entdeckt worden war. Genau dort lag die Ursache für die dauerhaft erhöhten Luftkeimwerte.

Dieser Einsatz hat mir gezeigt, wie wichtig der frühzeitige Einsatz eines Schimmelspürhundes ist. Wasser sucht sich seinen eigenen Weg, wäre Pacco bereits zu Beginn eingesetzt worden, hätten vermutlich wertvolle Zeit, erhebliche Kosten und unnötige Bauteilöffnungen vermieden werden können. Es hat mich in meiner Arbeit enorm bestärkt und war letztlich auch der Auslöser, später einen zweiten Schimmelspürhund auszubilden.

Mein erster Schimmelspürhund Pacco ist inzwischen im wohlverdienten Ruhestand. Seine Nachfolgerinnen Enza und Feliz bilden ein eingespieltes Team. Das Zwei-Nasen-Prinzip gibt mir und meinen Auftraggebern ein zusätzliches Maß an Sicherheit, da beide Hunde unabhängig voneinander arbeiten und ihre Anzeigen miteinander abgeglichen werden.

Mehr über die Arbeit von Beate Ristau und ihren Schimmelspürhunden gibt es bei https://www.schimmel-sucher.de/.