Persönlichkeitsentwicklung als Unternehmerin: Das Beispiel Madlen Seigerschmidt

Persönlichkeitsentwicklung als Unternehmerin klingt in vielen Ratgebern nach einem abstrakten Konzept, wird in der Praxis aber meist an einem einzigen Satz sichtbar, der lange nachwirkt. Bei Madlen Seigerschmidt, Gründerin von Essskulptur in Altmittweida (Sachsen), war es das Wort „talentfrei“, das ihr Lehrmeister beim ersten Workshop vor allen Teilnehmern über sie sagte. Aus dieser Verletzung ist über die Jahre ein eigenständiges Handwerk geworden: kunstvoll geschnitzte Melonen und Obstarrangements für Firmenfeiern, Hochzeiten und prominente Anlässe, ergänzt um Schulungen, in denen sie ihr Wissen an andere weitergibt, unter anderem im Auftrag von Edeka. Ihr Weg zeigt exemplarisch, wie eng unternehmerische Entwicklung und persönliche Reifung miteinander verwoben sind, und warum Durchhaltevermögen in der Praxis häufig mehr bewirkt als angeborenes Talent. Dieser Beitrag ordnet ihre Geschichte ein und leitet daraus Impulse ab, die sich auf die eigene unternehmerische Entwicklung übertragen lassen.

Vom Talent-Urteil zur eigenen Handwerkskunst

Kritik am Anfang eines Werdegangs wiegt oft schwerer als später im Rückblick nachvollziehbar ist, gerade wenn sie öffentlich und von einer Autoritätsperson geäußert wird. Madlen Seigerschmidt beschreibt den Moment, in dem ihr Lehrmeister sie vor der gesamten Gruppe als talentfrei bezeichnete, als klaren Wendepunkt. Statt sich davon entmutigen zu lassen, verwandelte sie die Verletzung in Antrieb: Sie trainierte kontinuierlich, übte über Jahre hinweg und entwickelte sich handwerklich immer weiter, bis aus einer verletzenden Randbemerkung eine tragfähige berufliche Grundlage wurde.

Diese Umdeutung von Kritik in Energie ist ein wiederkehrendes Muster bei Unternehmerinnen und Unternehmern, die sich gegen anfängliche Widerstände durchsetzen. Entscheidend ist dabei weniger, ob die Kritik im Kern berechtigt war, sondern wie damit umgegangen wird. Seigerschmidt formuliert es so, dass niemals ein einzelner Mensch über das eigene Potenzial entscheiden dürfe, und dass Kritik zwar wehtun, aber nicht zwangsläufig das Ende einer Geschichte bedeuten müsse.

Persönlichkeitsentwicklung als Unternehmerin: Warum Werte den Unterschied machen

Für Seigerschmidt ist Persönlichkeitsentwicklung als Unternehmerin kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess, der sich nicht auf betriebswirtschaftliche Kennzahlen reduzieren lässt. Vor rund 25 Jahren begann sie, sich intensiv mit Märchen zu beschäftigen, was zu einer bis heute anhaltenden Auseinandersetzung mit Sinn, Werten und dem eigenen Lebensweg führte. Aus dieser Beschäftigung ist inzwischen ein eigenes Märchenbuch für Erwachsene entstanden, das sie ursprünglich nicht als Autorin, sondern als Weitergabe dessen versteht, was ihr selbst geholfen hat, immer wieder zu sich zurückzufinden.

In schwierigen unternehmerischen Situationen orientiert sie sich an einer einfachen, aber wirksamen Leitfrage: Passt diese Entscheidung noch zu den eigenen Werten, und bin ich noch auf meinem Weg? Lautet die Antwort Ja, lassen sich auch anspruchsvolle Phasen leichter aushalten. Dieser wertebasierte Kompass unterscheidet sich deutlich von einer rein zahlengetriebenen Steuerung des eigenen Unternehmens und zeigt, dass persönliche Reife und unternehmerische Resilienz eng zusammenhängen.

Wachstum bedeutet auch Prioritäten neu setzen

Ein konkretes Beispiel für diese Haltung ist die Entscheidung, ihr Kind eine Woche lang auf einer persönlichen Reise zu begleiten, obwohl parallel Buchhaltung und laufende Aufträge im Unternehmen warten. Früher, so Seigerschmidt, hätte sie vermutlich viele Gründe gefunden, warum ein solcher Schritt nicht möglich sei. Heute sucht sie stattdessen aktiv nach Wegen, wie sich unternehmerische Verantwortung und persönliche Prioritäten miteinander vereinbaren lassen, auch wenn das bedeutet, kurzfristigen Umsatz oder eine termingerecht erledigte Buchhaltung bewusst zurückzustellen.

Vom Food Artist zur Trainerin: Wissen weitergeben

Mit wachsender Erfahrung kamen zunehmend Menschen auf Seigerschmidt zu, die wissen wollten, wie sie arbeitet, und aus dieser Nachfrage entwickelte sich schrittweise eine zweite Rolle als Trainerin. Sie schult heute deutschlandweit unter anderem Mitarbeitende von Edeka und gibt ihr Wissen in Workshops weiter. Dabei sieht sie ihre eigenen anfänglichen Schwierigkeiten explizit als Vorteil: Weil ihr selbst nichts leichtgefallen ist, kann sie sich gut in Anfängerinnen und Anfänger hineinversetzen und kennt die typischen Unsicherheiten und Frustrationsmomente aus eigener Erfahrung.

Was einen guten Workshop für sie ausmacht

Ein guter Workshop beginnt für Seigerschmidt nicht bei der Technik, sondern beim Menschen. Teilnehmende sollen sich ausprobieren, Fehler machen und Fragen stellen dürfen, da nach ihrer Erfahrung niemand unter Druck so gut lernt wie in einer Atmosphäre von Wertschätzung und Vertrauen. Bewusst grenzt sie sich damit von dem Umgang ab, den sie selbst zu Beginn ihrer Ausbildung erlebt hat. Erfolg misst sie nicht allein am schönen Ergebnis eines Workshops, sondern daran, ob Teilnehmende am Ende mit dem Gefühl nach Hause gehen, das Gelernte auch selbst umsetzen zu können.

StationEreignisWirkung auf die weitere Entwicklung
Erster WorkshopÖffentliche Kritik durch den Lehrmeister („talentfrei“)Auslöser für intensives, eigenständiges Training
Aufbau des HandwerksKontinuierliche Übung in der SchnitzkunstEntwicklung eines eigenständigen, wiedererkennbaren Stils
Bekannter AuftragGeschnitzte Melone für Peter MaffayPersönlicher Kontakt und öffentliche Sichtbarkeit des Handwerks
Ausweitung des AngebotsDeutschlandweite Schulungen, u.a. für EdekaWandel von der ausübenden Künstlerin zur Wissensvermittlerin
Persönliche ReflexionBeschäftigung mit Märchen, eigenes BuchWerteorientierte Entscheidungsgrundlage für das Unternehmertum

Positionierung als fortlaufender Teil der Persönlichkeitsentwicklung

Ein weniger offensichtlicher, aber aufschlussreicher Aspekt ihrer unternehmerischen Entwicklung zeigt sich in der Frage der eigenen Positionierung. Über lange Zeit stand auf Seigerschmidts Geschäftsprofil eine Berufsbezeichnung, die sie zwar inhaltlich korrekt beschrieb, aber nicht mehr vollständig traf: „Regionale Geschenkideen für Unternehmen“. Richtig, aber unvollständig, wie sie selbst feststellte, denn wenn Menschen ihren Laden betreten, erklärt sie selten zuerst Kaffee, Seife oder Schokolade. Stattdessen erzählt sie Geschichten über die Menschen hinter den Produkten und über die eigene Region.

Mit der Zeit wuchs bei ihr das Gefühl, eigentlich eine Geschichtenerzählerin und Mutmacherin zu sein, die Menschen über Kreativität, Geschichten und regionale Schätze miteinander verbindet, ohne dass sich diese Selbstwahrnehmung bereits in der offiziellen Positionierung niedergeschlagen hatte. Diese Diskrepanz zwischen tatsächlicher Rolle und formaler Außendarstellung ist ein Muster, das viele Unternehmerinnen und Unternehmer im Laufe ihrer Entwicklung wiedererkennen: Das Angebot wächst und verändert sich schneller, als die eigene Beschreibung davon Schritt hält. Persönlichkeitsentwicklung als Unternehmerin bedeutet in diesem Fall auch, die eigene Positionierung regelmäßig zu hinterfragen, statt an einer einmal formulierten Berufsbezeichnung festzuhalten.

Essskulptur als Handwerk: Von der Einzelanfertigung zur Firmenkultur

Das Kerngeschäft von Essskulptur zeigt, wie handwerkliche Präzision und persönliche Note zusammenwirken. Bei individuellen Auftragsarbeiten, etwa geschnitzten Melonen zu runden Geburtstagen oder Schulabschlüssen, erhält Seigerschmidt häufig nur wenige Eckdaten vom Auftraggeber und viel Vertrauen in die eigene kreative Freiheit. Aus wenigen Informationen, etwa dem Anlass, der Berufsgruppe der Jubilare oder einer gewünschten Grundaussage wie Erfolg, Ehrgeiz oder gemeinsame Werte, entwickelt sie individuelle Arrangements aus geschnitzten Melonen und Obst- oder Gemüseblüten, die sowohl optisch wirken als auch inhaltlich zum Anlass passen.

Für Unternehmen positioniert sie diese Arbeiten bewusst als regionale Geschenkidee und als Format für kleinere Teamevents ab etwa sechs Personen, bei denen Mitarbeitende das Schnitzen selbst erlernen können. Damit verbindet sie ihr ursprüngliches Einzelkunsthandwerk mit einem wiederholbaren, buchbaren Firmenangebot, das sich in bestehende Unternehmensanlässe wie Jubiläen, Kundenevents oder interne Weiterbildungstage einfügen lässt.

Regionale Verantwortung als Teil des unternehmerischen Selbstverständnisses

Neben dem eigentlichen Kerngeschäft engagiert sich Seigerschmidt sichtbar für ihre Region in Mittelsachsen, etwa durch die Unterstützung des Vereins Schloss Ringethal, für den sie eine eigens entwickelte Seife verkauft, deren Erlös vollständig dem Erhalt des Schlosses zugutekommt. Dieses Engagement steht nicht isoliert neben dem unternehmerischen Alltag, sondern ist Teil ihres Selbstverständnisses als Unternehmerin: Jeder Auftrag soll nach ihrer eigenen Formulierung die regionale Wirtschaft stärken, nicht nur den eigenen Betrieb.

Für andere Unternehmerinnen und Unternehmer liefert dieser Ansatz einen Anknüpfungspunkt: Regionales Engagement lässt sich nicht nur als Marketingmaßnahme verstehen, sondern als konsequente Fortsetzung der eigenen Werteorientierung in die unternehmerische Praxis hinein. Wer Persönlichkeitsentwicklung als Unternehmerin ernst nimmt, überträgt die eigenen Werte typischerweise auch auf die Frage, welche Projekte und Partnerschaften über das reine Kerngeschäft hinaus unterstützt werden.

Rückschläge als Teil des unternehmerischen Wegs

Rückschläge betrachtet Seigerschmidt heute nicht mehr als Niederlage, sondern als Teil des Weges, was sie selbst als eine Frage der Reife beschreibt. Diese Haltung überträgt sie auch auf kreative Blockaden. In einer der Geschichten ihres Märchenbuchs, „Die weiße Leinwand“, kauft ein Maler die beste Leinwand, die besten Farben und die besten Pinsel, beginnt aber nie zu malen, weil scheinbar nie die Umstände stimmen: mal das Licht, mal die Farben, mal die eigene Verfassung. Am Ende erkennt der Maler, dass nicht die äußeren Umstände das eigentliche Problem waren, sondern die Angst vor Fehlern, vor Kritik und davor, nicht perfekt zu sein.

„Du musst nicht perfekt starten. Du musst starten.“Madlen Seigerschmidt, Gründerin von Essskulptur (LinkedIn)

Diese Erkenntnis überträgt Seigerschmidt bewusst auf unternehmerische Entscheidungen: Wer auf perfekte Rahmenbedingungen wartet, bevor der erste Schritt gemacht wird, verschenkt regelmäßig die Chance, dass daraus etwas Großartiges entsteht. Der erste, unperfekte Schritt gilt für sie als wichtiger als jede noch so gründliche Vorbereitung ohne anschließende Umsetzung. Auch die Entscheidung, ihr Märchenbuch trotz eigener Zweifel zu veröffentlichen und sich anschließend für eine Buchmesse anzumelden, ordnet sie selbst in dieses Muster ein: nicht das perfekte Konzept einer Autorenrolle abzuwarten, sondern mit den vorhandenen Geschichten aus ihren Workshops den ersten sichtbaren Schritt zu gehen, auch wenn sie sich in diesem neuen Umfeld zunächst nicht vollständig zugehörig fühlte.

Wenn Persönliches und Unternehmerisches zusammenfallen

Ein Aspekt, den Seigerschmidt in Gesprächen immer wieder betont, ist die enge Verbindung zwischen privater und unternehmerischer Haltung. Führung zeigt sich für sie nicht in Zahlen, Strategien oder großen Worten, sondern darin, wie mit Menschen umgegangen wird, wenn sie Unterstützung brauchen, etwa wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter durch eine persönliche Belastung geht. Werte lassen sich aus ihrer Sicht nicht durch Vorträge vermitteln, sondern nur durch tägliches Handeln vorleben.

Diese Sichtweise hat unmittelbare praktische Konsequenzen für die Unternehmensführung: Wer als Unternehmerin oder Unternehmer im privaten Umfeld andere Maßstäbe anlegt als im Betrieb, wird auf Dauer Schwierigkeiten haben, authentisch zu führen. Persönlichkeitsentwicklung als Unternehmerin bedeutet in diesem Verständnis, die eigenen Werte in allen Lebensbereichen konsistent zu leben, statt zwischen einer beruflichen und einer privaten Rolle künstlich zu trennen.

Seigerschmidt beschreibt diesen Zusammenhang auch mit Blick auf die eigene Familie, in der mittlerweile eine Generation nachfolgt, die ähnliche Werte in eigener Führungsverantwortung lebt. Als bei einer Mitarbeiterin ihrer Tochter, die selbst eine Führungsposition innehat, ein Haustier verstarb, wurde dieses Ereignis nicht als Randnotiz behandelt, sondern mit Verständnis und Raum für die betroffene Person beantwortet. Für Seigerschmidt ist genau das ein Beleg dafür, dass Werte nicht durch Vorträge, sondern durch tägliches Vorleben an nachfolgende Führungsgenerationen weitergegeben werden.

Was Unternehmerinnen und Unternehmer aus dieser Geschichte mitnehmen können

Aus dem Werdegang von Madlen Seigerschmidt lassen sich mehrere Impulse ableiten, die sich unabhängig von der konkreten Branche auf die eigene unternehmerische Entwicklung übertragen lassen.

  1. Kritik nicht als endgültiges Urteil akzeptieren, sondern als möglichen Ausgangspunkt für gezieltes Training und Weiterentwicklung nutzen.
  2. Durchhaltevermögen bewusst kultivieren, da es über längere Zeiträume oft entscheidender wirkt als reines Anfangstalent.
  3. Eigene frühere Schwierigkeiten als Ressource begreifen, insbesondere wenn später andere Menschen angeleitet oder geschult werden.
  4. Regelmäßig anhand eigener Werte prüfen, ob aktuelle Entscheidungen noch zum eigenen Weg passen, statt sich ausschließlich an kurzfristigen Kennzahlen zu orientieren.
  5. Den ersten, unperfekten Schritt einer Idee dem endlosen Warten auf ideale Rahmenbedingungen vorziehen.

FAQ

Wer ist Madlen Seigerschmidt?
Madlen Seigerschmidt ist Gründerin von Essskulptur in Altmittweida, Sachsen. Sie fertigt kunstvoll geschnitzte Melonen und Obstarrangements für Firmen- und Privatanlässe und schult deutschlandweit Mitarbeitende, unter anderem im Auftrag von Edeka.

Was hat der Begriff „talentfrei“ mit ihrer Karriere zu tun?
Ihr Lehrmeister bezeichnete sie beim ersten Workshop vor allen Teilnehmern als talentfrei. Statt sich davon entmutigen zu lassen, machte sie diese Kritik zum Ausgangspunkt für kontinuierliches Training und eine eigenständige handwerkliche Entwicklung.

Wie hängen Persönlichkeitsentwicklung und Unternehmertum bei ihr zusammen?
Sie orientiert unternehmerische Entscheidungen an ihren persönlichen Werten und prüft regelmäßig, ob eine Entscheidung noch zu ihrem eigenen Weg passt. Diese Haltung überträgt sie auch auf den Umgang mit Mitarbeitenden und Familie.

Welche Rolle spielt ihr Märchenbuch in diesem Zusammenhang?
Das Buch entstand aus einer über 25 Jahre andauernden Beschäftigung mit Märchen als Wegbegleitern und enthält unter anderem die Geschichte „Die weiße Leinwand“, die den Umgang mit Angst vor dem ersten, unperfekten Schritt thematisiert.

Was zeichnet ihre Workshops als Trainerin aus?
Sie legt Wert auf eine Atmosphäre von Wertschätzung und Vertrauen, in der Teilnehmende Fehler machen und Fragen stellen dürfen. Erfolg misst sie daran, ob Teilnehmende das Gelernte anschließend selbstständig umsetzen können.

Über die Unternehmerin: Madlen Seigerschmidt ist Gründerin von Essskulptur in Altmittweida, Sachsen. Dieser Beitrag basiert auf einem Interview sowie öffentlich zugänglichen Beiträgen der Unternehmerin auf LinkedIn und gibt deren persönliche Sichtweise wieder.

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